Achtung, hochsensibel!

Warum ich manchmal einfach Pause brauche

Hallo zurück und sorry, dass du wieder einmal so lange auf einen neuen Blogpost warten musstest. In letzter Zeit war viel zu organisieren und zu klären und ich bin jemand, dem dies manchmal etwas nachhängt. Der Grund dafür hängt mir dem heutigen Thema zusammen: Hochsensibilität. Vielleicht hast du schonmal von diesem Thema gehört, denn gerade in letzter Zeit gibt es relativ viele Menschen, die sich darin wieder erkennen. Und ich bin eine von diesen hochsensiblen Menschen, wie ich im Laufe der letzten Jahre herausfinden dürfte. Aber was genau bedeutet es, hochsensibel zu sein?

Eine viel zu laute Welt

Hochsensible nehmen ihre Umwelt intensiver wahr. Bei mir ist es tatsächlich nicht immer gleich. Es gibt Tage, da ist es mehr und Tage, da ist es weniger intensiv. Als Beispiel: ich sitze mit meinem Freund in einem Café und wir unterhalten uns. Die meisten würden sich ganz auf den Gesprächspartner konzentrieren und zuhören können. Bei mir ist es so, dass ich parallel wahrnehme, wie viele Menschen um uns herum sind, wie diese Menschen aussehen, wie sie sich bewegen, worüber sie sich unterhalten. Und bevor du jetzt sagst: Ist doch super,dir entgeht eben nichts. So einfach ist das leider nicht. Das Gehirn kann nur einen gewissen Teil an Informationen verarbeiten. Und dann ist das Problem der Hochsensibilität, dass ich hinterher nur noch die Hälfte vom Gespräch im Gedächtnis habe, keine Person, die dort war wirklich beschreiben könnte und im schlimmsten Fall müde und mit Kopfschmerzen zuhause ankomme.

Generell hatte ich schon immer das Gefühl, dass mir die Welt zu laut ist. Und das schwierige daran ist, dies anderen Menschen klar zu machen. Hintergrundgeräusche sind für mich unerträglich. Wenn also der Fernseher nebenbei läuft oder jemand Videos mit Ton auf seinem Handy guckt, bekomme ich schon fast Panik, weil es mir einfach zuviel ist. Und in einer Welt wie heute gibt es leider so gut wie überall Geräusche. Die Ohren haben niemals wirklich Pause.

pixabay.com, Gerd Altmann

Stimmungen spüren

Ok, jetzt wird’s etwas esoterisch, sorry dafür:-) Aber eins der Merkmale von hochsensiblen Menschen ist, dass sie Stimmungen spüren können. Gerade bei nahestehenden Menschen spüre ich ziemlich genau, was mein Gegenüber gerade empfindet. Ich kann da garnichts gegen tun. Wenn zum Beispiel zwei Menschen einen stillen Konflikt austragen, kann ich quasi die Spannung spüren und werde nervös. Das ist mit Abstand die für mich unerträglichste Situation, aus der ich mich auch so schnell wie möglich abgrenze.

Ein Vorteil an diesem Aspekt ist, dass ich häufig anderer Menschen Stimmungen in Worte fassen kann, auch wenn sie es selber nicht können. Dies hilft mir oft in meiner Beratungspraxis weiter, denn indem ich frage, ob es sein kann, dass diese Person beispielsweise gerade unter besonderem Stress steht, kann ich der Person helfen, die Ursache hierfür zu erkunden und eine Lösung zu finden.

Unstimmigkeiten erkennen

Ein etwas schwieriger Vorteil von Hochsensibilität ist, dass ich sofort erkenne, wann mich jemand anlügt oder mir einen Bären aufbinden möchte. Ja, das ist einerseits ein Vorteil und ich reagiere auch entsprechend darauf. Allerdings ist schwierig, der anderen Person quasi ohne handfeste Beweise klarzumachen, dass man sich gerade für dumm verkauft fühlt. Weil letztendlich habe ich ja „nur“ mein Gefühl. Trotzdem hat mich genau dieses Gefühl schon sehr oft vor Fehlern bewahrt und darum bin ich glücklich, diese Gabe zu besitzen.

Weitere Eigenschaften von Hochsensiblen

Laut Definition gibt es noch weitere Eigenschaften von Hochsensibilität wie:

  • ausgeprägte subtile Wahrnehmung (vielschichtige Fantasie und Gedankengänge)
  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit
  • detailreiche Wahrnehmung
  • hohe Begeisterungsfähigkeit, sehr vielseitige Interessen
  • hohe Eigenverantwortung und Wunsch nach Unabhängigkeit
  • sehr ausgeprägtes Langzeitgedächtnis
  • psychosoziale Feinwahrnehmung (Befindlichkeiten, Stimmungen und Emotionen anderer Menschen werden leichter und detaillierter erkannt)
  • stärker beeinflussbar durch Stimmungen anderer Menschen
  • ausgeprägtes intuitives Denken, häufig verbunden mit der Fähigkeit zu lateralem und multiperspektivischem Denken
  • gleichzeitige Wahrnehmung vieler Details einer Situation bei hoher Verarbeitungs- und Verknüpfungstiefe kann u. U. neue Wahrnehmungsbereiche und ungewöhnliche Zusammenhänge oder Sichtweisen erschließen
  • langer emotionaler „Nachklang“ des Erlebten
  • Denken in größeren Zusammenhängen
  • ausgeprägter Altruismus, Gerechtigkeitssinn, starke Werteorientierung
  • Harmoniebedürfnis, Gewissenhaftigkeit, Verantwortungsbewusstsein
  • Intensives Erleben von Kunst und Musik
  • Neigung zu Selbstkritik und Perfektionismus
  • meist vielschichtige komplexe und stabile Persönlichkeit

(Quelle: Wikipedia)

Das klingt jetzt alles sehr hochgestochen und übermenschlich, aber ich denke, dass sich mehr Menschen darin wiedererkennen und vielleicht kannst auch du dein Denken und deine Welt ein wenig besser verstehen.

Hochsensibilität: eine Gabe, keine Krankheit

Ganz wichtig ist, dass du weißt, dass Hochsensibilität keine Krankheit ist, sondern eine Mischung an Eigenschaften. Ich würde es sogar eher als Gabe bezeichnen. Lange habe ich mir immer den Vorwurf anhören müssen, dass ich ja „so empfindlich“ bin und dadurch gedacht, dass wäre etwas schlimmes, was ich mir abtrainieren muss. Mittlerweile weiß ich, dass dieses Denken aus einer anderen (schlimmen) Zeit kommt und dass es eher die Härte ist, die sich Menschen abgewöhnen sollten, wenn sie sich und andere Menschen wieder spüren wollen. Heute bin ich stolz, hochsensibel zu sein und was mir dabei sehr geholfen hat, ist dieser Podcast: Proud to be Sensibelchen.

Für sich selbst sorgen

Was machst du, wenn du nun weißt, dass du hochsensibel bist? Für dich ist es besonders wichtig, dass du dich abgrenzen kannst. Nur du kannst wissen, was gut für dich ist und da solltest du dir auf keinen Fall von jemandem reinreden lassen, der schonmal keine Ahnung hat, was in dir vorgeht. Tausche dich gern mit anderen Hochsensiblen aus, um herauszufinden, wie sie damit umgehen. Bestehe auf deine Pausen im Alltag. Umgebe dich mit Menschen, die dir gut tun. Denke dran, dass negative Menschen dir jedes Mal etwas von ihrer Negativität übertragen und es dir hinterher vielleicht tagelang schlecht geht, ohne dass es dabei überhaupt um dich selber geht.

Und für alle, denen die Welt mal wieder viel zu laut ist, habe ich noch einen super Buchtipp: „Stille-ein Wegweiser“ von Erling Kagge. Kleiner Spoiler: wenn du es in der Hand hast, nimm mal den Schutzumschlag ab und sieh dir das Buchcover an:-)

Lass es dir gut gehen, Jenny

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