Der Weg des Yoga im Alltag

Aller Anfang ist…leicht

Wow, die Zeit rennt. Nun bin ich schon über einen Monat in der Yogalehrerausbildung bei Yoga Vidya. Und da ich ja schon einige Erfahrung im Yoga habe, ging es mir zu Beginn zu langsam und jetzt, wo ich ja auch schon mein erstes Intensiv-Wochenende hinter mir habe, merke ich, dass ich in der Zeit schon unglaublich viel gelernt habe. Auch meine eigene Praxis wird besser und regelmäßiger. Was genau heißt das jetzt? Wie genau geht der Yoga-Weg? Und wie macht man „richtig“ Yoga?

Die meisten kennen Yoga als typische Körperübungen, die Asanas. Dieser Trend, Yoga als reine Sportart zu degradieren, kommt hauptsächlich aus Amerika bzw. wurde für die westliche Leistungsgesellschaft erfunden. Yoga ist und bleibt im Kern spirituell und nicht rein körperlich. Und spätestens bei dem Wort „spirituell“ steigen die meisten Menschen in unserer Leistungsgesellschaft aus. Aber wenn du dir die Pfade des Yoga mal genauer ansiehst, wirst du merken, dass alle Anteile für jeden umsetzbar sind. Und damit wären wir wieder bei „richtig“. Im Yoga gibt es kein richtig und falsch-es gibt nur den Weg, der für dich passt. Aber ich fang erstmal an, die sechs Yoga-Wege genauer zu erklären.

Meditieren auf Bali

Hatha Yoga

Hatha bedeutet übersetzt so etwas wie Anstrengung oder Bemühung und ist der Oberbegriff für den körperlichen Yoga. Hierzu gehören z.B.  Körperübungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama), Tiefenentspannung (Shavasana) und Ernährung. Also, alles was direkt mit dem Körper zu tun hat.

Im traditionellen Yoga sind das eben die typischen Asanas, die jeder von Yoga kennt und bestimmte Atem- und Entspannungstechniken. Auch eine ganz bestimmte vegetarische oder auch vegane Ernährung gehört dazu. All das dient dem Ziel, den Körper optimal zu versorgen und gesund zu erhalten. Dies ist quasi das Fundament für alle anderen Yoga-Wege, ohne einen gesunden Körper kannst du die anderen Schritte so gut wie garnicht erreichen.

Wenn du jetzt so garnichts mit den Asanas anfangen kannst, kann der Weg des Hatha Yoga für dich auch anderes körperliches Training sein. Aber es sollte dich schon herausfordern. Die Asanas sind oft in ihrer Ausführung kompliziert und anstrengend. Und genauso sollte sich das körperliche Training anfühlen. Wie gesagt, Hatha=Anstrengung. Wie du diesen Weg gehst, ist also dir überlassen. Du merkst, dass du dich in die richtige Richtung bewegst, wenn dein Körper sich positiv verändert, du dich fit und frisch fühlst und vielleicht merkst du auch, dass du nicht mehr krank wirst oder nicht deutlich schneller erholst als du es gewohnt bist. Ich selber konnte für mich eine erstaunliche Wirkung von Pranayama auf Migräne beobachten, die mir von einer anderen Teilnehmerin aus der Gruppe ebenfalls bestätigt wurde. Mehr dazu erzähle ich euch ein anderes Mal, wenn ich über Pranayama schreibe.

Kundalini Yoga

Kundalini Yoga ist der Weg der Energie. Im klassischen Yoga gibt es das Bild der Chakras als Energiezentren und der Nadis als Energiekanäle. Die traditionelle chinesische Medizin arbeitet mit einem ganz ähnlichen Bild. Im Yoga wird mithilfe verschiedener Techniken daraufhin gearbeitet, die Energien im Körper zu lenken und das Energieniveau zu erhöhen. Diese Techniken sind Hatha Yoga, Mantra Yoga (das Wiederholen von Mantras) und Pranayama. Hier siehst du, dass die Yoga-Wege ineinander greifen und warum der Hatta-Yoga so wichtig ist.

Im Alltag kann das bedeuten, dass du gut auf deine Energie als Ressource acht gibst. Ich habe ja bereits einmal über Energie als Ressource geschrieben, den Blogpost findest du hier. Während im traditionellen Yoga die oben erwähnten Techniken genutzt werden, kannst du genauso gut auf Pausen im Alltag achten. Genauso wichtig ist es, mit wem du dich umgibst: hast du mehr mit positiven Menschen zu tun, die dich nähren oder eher mit negativen Menschen, die dich runterziehen? Natürlich spielen auch hier wieder körperliches Training und gute Ernährung eine große Rolle. Fang an, eine Liste zu schreiben, welche Dinge im Leben dir Energie geben und konzentriere dich auf diese Dinge.

Raja Yoga

Einer meiner Lieblingsthemen und der Raja Yoga, die Kontrolle des Geistes. Und gerade für mich ist es einer der schwierigsten Wege. Sowohl im Alltag oder auch in der Meditation ist es für mich oft nicht einfach, den Geist zur Ruhe zu bringen. Noch schlimmer waren die Wachphasen in der Nacht, in denen ich über alles grübelte, was ich jetzt gerade sowieso nicht ändern kann.

Raja bedeutet König oder Herrscher. Wir können uns bewusst machen, dass wir der Herrscher über unsere Gedanken sind.  Und zwar nicht mit der Brechstange. Wie oft hab ich mich zum Meditieren hingesetzt und bin nach 5 Minuten wieder faulig aufgestanden, weil meine Gedanken einfach nicht ruhig sein wollten. So geht es natürlich nicht, ein guter Herrscher ist immer liebevoll. So kann es in der Meditation helfen, kommende Gedanken kurz zu beobachten und dann auf eine Wolke zu setzen und sanft wegzupusten.

Im Alltag kann das für dich bedeuten, dass du dich im Hier und Jetzt befindest. Du konzentrierst dich auf die Aufgaben und Gedanken, die jetzt wichtig sind und alles andere bekommt seine Zeit. Nachts über unerledigte Aufgaben zu grübeln, ist unangemessen-setz diese Aufgaben auf eine Wolke, puste sie weg, schlaf ein und kümmere dich am nächsten Tag um diese Aufgaben.

Raja Yoga wird wird zur Unterstützung nochmals in acht Stufen unterteilt, wie z. B. Gewaltlosigkeit, Ethik, Zielstrebigkeit und Hingabe.

Jnana Yoga

Janina bedeutet Wissen und beschreibt den philosophischen Weg des Yoga. Es geht um das Studium der alten indischen Schriften, Selbsterkenntnis und den Sinn des Lebens. Es geht also um das Wissen um den Menschen an sich und seine Rolle als Mensch in der Welt. Um eben verschiedene Ansätze zu lernen, gilt es, Bücher zu lesen von Menschen, die sich intensiv damit beschäftigt haben. Im klassischen Yoga sind dies die alten indischen Schriften, z.B. die Veden oder die Sutras.

Im Alltag können dies auch Schriften von Philosophen sein oder Bücher über Persönlichkeitsentwicklung. Es kann die Bibel oder der Koran sein. Im besten Fall ist es eine Mischung aus allen Richtungen, damit du dir für dich das passende Bild machen kannst. Auch hier gibt es kein richtig oder falsch. Es geht darum, ein Leben im Einklang mit allen Lebewesen zu finden und zu verstehen, dass wir alle irgendwie zusammen gehören und trotzdem auf liebevolle Weise unseren Weg gehen dürfen.

Die Philosophie hinter dem Jana Yoga ist die Vedanta-Philosophie, über die ich auch nochmal extra schreiben werde.

Karma Yoga

Karma Yoga ist der Weg des selbstlosen Handelns. Dies klingt einfacher als es ist. Für fast jeden Menschen ist klar, dass Gutes tun kann, indem man etwas Gutes für andere tut. Sei es ehrenamtlicher Dienst, gemeinschaftliche Arbeit oder einem Lebewesen in einer schwierigen Situation zu helfen. Für die wenigsten ist klar, dass es erst Karma Yoga ist, wenn man nichts dafür zurück erwartet. Und mit nichts meine ich nichts-kein Lob, keine Anerkennung, nichtmal die Freude auf der anderen Seite. Karma Yogis tun Dinge einfach, weil sie getan werden müssen.

Gerade in der heutigen Zeit würde uns als Gesellschaft mehr Karma Yoga voran bringen. Es gibt zu Zeit viele Menschen, die Hilfe gebrauchen können. Sie wollten nichts dafür leisten müssen oder auf eine bestimmte Art auf diese Hilfe reagieren müssen. Jedes Lebewesen hat Karma Yoga verdient-als Geburtsrecht.

Ein Gesetz des Karmas sagt, dass wir selbst erschaffen, was und geschieht. Puh, gegen dieses Gesetz der Anziehung habe ich mich lange gewehrt. Und so war ich die meiste Zeit meines bisherigen Lebens in der Opferrolle-übel anstrengend kann ich sagen. Mittlerweile hab ich verstanden, dass Ereignisse im Leben weder Belohnung noch Bestrafungen für irgendetwas sind, sondern Aufgaben und Möglichkeiten zum Wachsen.

Wie kannst du heute noch Karma Yoga leben?Kleiner Tip: manchmal reicht ein ehrliches Lächeln für jemanden, der es nicht erwartet hat.

Bhakti Yoga

So, jetzt wird richtig spirituell, denn Bhakti ist die Hingabe an Gott. Mit Gott ist meiner Auffassung nach nicht ein alter, weißbärtiger Mann im Himmel gemeint. Darum nutze ich auch lieber den Ausdruck Universum. Das Universum in uns oder unser höheres Selbst. Und Bhakti Yoga ist alles, was wir dem Universum widmen. Im klassischen Yoga sind dies Mantra-Gesänge, Gebete und Rituale. Wer schonmal im asiatischen Raum war, besonders Indien, Indonesien, Thailand, weiß, dass Bhakti Yoga dort noch sehr viel stärker vertreten ist. Tempelzeremonien, Opfergaben und Räucherstäbchen sind dort Alltag. In christlichen Gebieten sind dies Gottesdienste oder Messen.

Im Alltag kann dies sehr viel kleiner aussehen. Wenn du dir in Ruhe einen Tee kochst oder dir Kerzen anzündest, kann dies schon Bhakti Yoga sein. Viele Menschen habe mittlerweile ein Morgenritual, um mit einer bestimmten Stimmung den Tag zu starten. Alles, was du in Ruhe und mit Hingabe für dich tust, ist Bhakti Yoga.

Yoga im Alltag leicht gemacht

Du siehst also, dass Yoga sehr wohl gut im Alltag unterzubringen ist, obwohl er in seinem Ursprung viel intensiver und spiritueller ausgelegt ist. Der große Yogameister Swami Sivananda sagte: „Ein Gramm Praxis ist besser als Tonnen Theorie.“  Also, selbst wenn du nur ein bißchen diesen Weg gehen willst, kann dich das schon unglaublich weit bringen. Das Ziel des Yogas ist schließlich, bei sich selbst anzukommen, zu verstehen, was im Leben zählt und zu erfahren, dass alles Leben auf der Welt eins ist. Ich hoffe, du konntest die ein oder andere Inspiration für dich mitnehmen.

Namaste, eure Jenny

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